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Ratgeber

Der WHO-5-Index erklärt: Wohlbefinden messen und richtig deuten

Der WHO-5-Well-Being-Index ist eines der bekanntesten Kurzinstrumente, um subjektives Wohlbefinden zu erfassen – fünf Fragen, wenige Minuten, seit Jahrzehnten erprobt. Gerade seine Einfachheit führt aber zu Missverständnissen. Dieser Beitrag erklärt, was der WHO-5 misst, wie er ausgewertet wird und wo seine Grenzen liegen.

Zuletzt aktualisiert am · 6 Min. Lesezeit

Was der WHO-5 misst

Der WHO-5-Well-Being-Index wurde von der Weltgesundheitsorganisation entwickelt und erfasst das subjektive, allgemeine Wohlbefinden der letzten zwei Wochen. Er besteht aus fünf positiv formulierten Aussagen – etwa zu Frohsinn, Ruhe, Aktivität, Erholung und Interesse am Alltag –, die auf einer sechsstufigen Skala beantwortet werden.

Bewusst positiv formuliert, fragt der WHO-5 nicht nach Symptomen, sondern nach vorhandenen Ressourcen. Das macht ihn niedrigschwellig: Die Beantwortung fühlt sich nicht wie ein Krankheitstest an. Der Index ist frei verfügbar, in viele Sprachen übersetzt und in Forschung wie Praxis breit eingesetzt.

Wie die Auswertung funktioniert

Die fünf Antworten ergeben zunächst einen Rohwert. Dieser Rohwert wird mit vier multipliziert, sodass eine Skala von 0 bis 100 entsteht: 0 steht für das geringste, 100 für das höchste vorstellbare Wohlbefinden. Diese Prozentskala macht Ergebnisse leicht vergleichbar und über die Zeit nachvollziehbar.

In der Literatur gilt ein niedriger Wert als Hinweis, das Wohlbefinden genauer abzuklären – häufig wird ein Prozentwert unterhalb von 50 als solche Schwelle genannt. Entscheidend ist die richtige Lesart: Ein niedriger Wert ist ein Anlass, aufmerksam zu werden, keine Feststellung einer Erkrankung. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist oft der Verlauf über mehrere Messzeitpunkte.

Sinnvolle Einsatzfelder im Unternehmen

Im betrieblichen Kontext eignet sich der WHO-5 vor allem als wiederkehrender, anonymer Stimmungsmesser auf Gruppenebene. Aggregiert und über die Zeit betrachtet, kann er zeigen, ob sich das durchschnittliche Wohlbefinden in einem Team verändert – und damit ein nützliches Signal für die Steuerung von Gesundheitsmaßnahmen liefern.

Damit das datenschutzkonform bleibt, sollten Auswertungen ausschließlich aggregiert und erst ab ausreichend großen Gruppen erfolgen, sodass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind. Der individuelle Wert gehört der Person, die ihn beantwortet – nicht dem Arbeitgeber. So wird aus einem sensiblen Instrument ein vertretbares Steuerungssignal.

Die Grenzen des Instruments

Der WHO-5 ist ein Screening-Instrument, kein diagnostisches Verfahren. Er kann Hinweise geben, aber weder eine Depression noch eine andere Erkrankung feststellen. Ein auffälliger Wert bedeutet, dass eine genauere, fachlich geführte Abklärung sinnvoll sein kann – mehr nicht.

Hinzu kommen methodische Grenzen: Der Index erfasst nur das subjektive Erleben eines kurzen Zeitfensters und kann durch Tagesform oder Situationen verzerrt sein. Werden einzelne Werte über- oder fehlinterpretiert, richtet das mehr Schaden als Nutzen an. Deshalb gilt: als grobes, aggregiertes Signal wertvoll, als Urteil über einzelne Personen ungeeignet.

WHO-5 verantwortungsvoll einsetzen

Ein verantwortungsvoller Einsatz beginnt mit Transparenz: Beschäftigte sollten wissen, wozu gemessen wird, wer welche Ergebnisse sieht und dass die Teilnahme freiwillig ist. Anonymität und Aggregation sind dabei keine Zugabe, sondern die Grundlage für ehrliche Antworten.

Ebenso wichtig ist der Umgang mit den Ergebnissen: Ein Messinstrument entfaltet nur dann Nutzen, wenn aus den Signalen auch Maßnahmen folgen. Wer regelmäßig misst, aber nie handelt, verliert das Vertrauen der Beschäftigten. Der WHO-5 ist damit kein Selbstzweck, sondern ein Baustein in einem größeren, sauber aufgesetzten Gesundheitsprozess.

Häufige Fragen

Ist ein WHO-5-Wert unter 50 gleichbedeutend mit einer Depression?
Nein. Ein niedriger Wert ist lediglich ein Hinweis, das Wohlbefinden genauer abzuklären. Der WHO-5 ist ein Screening und ersetzt keine fachliche Diagnose.
Kann der Arbeitgeber die WHO-5-Werte einzelner Beschäftigter sehen?
In einem sauber aufgesetzten Verfahren nicht. Ergebnisse sollten nur aggregiert und erst ab ausreichend großen Gruppen ausgewertet werden; der individuelle Wert bleibt bei der Person.
Wie oft sollte man den WHO-5 erheben?
Aussagekräftig wird der Index vor allem im Verlauf. Regelmäßige, anonyme Erhebungen in gleichbleibenden Abständen zeigen Veränderungen deutlicher als eine einmalige Messung.

Quellen & rechtliche Grundlagen

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): WHO-5 Well-Being Index
  • Psychiatric Research Unit, WHO Collaborating Centre in Mental Health
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder medizinische Beratung.

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